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Persönlichkeitsstörungen im M3: was Prüfer fragen

Persönlichkeitsstörungen gehört zu den Themen, die im mündlichen dritten Staatsexamen im Fach Psychiatrie vorkommen. Hier steht das Wichtigste zur Prüfung: die Kernaussage, der Überblick und typische Fragen mit Antwort.

Das Wichtigste in Kürze

KERNAUSSAGE
  • Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte, überdauernde Muster von Erleben und Verhalten, die deutlich von den Erwartungen der soziokulturellen Umgebung abweichen, stabil, unflexibel, in vielen Situationen (pervasiv) und mit Leidensdruck bzw. sozialer Beeinträchtigung.
  • Beginn in Adoleszenz/frühem Erwachsenenalter; Diagnose i.d.R. nicht vor dem 16. bis 18. Lebensjahr.
  • M3-Klassiker: Borderline (emotional instabil), Impulsivität, Affektinstabilität, chronische Leere, Selbstverletzung, Angst vor Verlassenwerden. Erstlinientherapie ist Psychotherapie (DBT), nicht Pharmaka.

3 Fragen, die dazu gestellt werden

1. Welches der folgenden Merkmale ist charakteristisch für die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

→ Chronisches Gefühl innerer Leere

Ein chronisches Gefühl innerer Leere ist ein typisches Symptom der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

2. Welches diagnostische Verfahren wird häufig zur Identifizierung einer Persönlichkeitsstörung verwendet?

→ SKID-II

Das SKID-II ist ein strukturiertes Interview, das zur Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen verwendet wird.

3. Welche Therapieform ist die Erstlinientherapie für die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

→ Dialektisch-Behaviorale Therapie

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) gilt als Erstlinientherapie für die Borderline-Persönlichkeitsstörung.

3 weitere Fragen zu diesem Thema stehen im Lernbereich.

Überblick

Definition & Konzept

  • Überdauerndes, unflexibles Muster von innerem Erleben und Verhalten, das von den kulturellen Erwartungen abweicht, betrifft Kognition, Affektivität, Impulskontrolle und Beziehungsgestaltung.
  • Muster ist stabil und langdauernd, beginnt spätestens im frühen Erwachsenenalter, ist zeitlich und situativ überdauernd (pervasiv) und führt zu Leidensdruck oder Funktionseinschränkung.

Klassifikation (ICD-10 Cluster-Analogie zu DSM-5)

CLUSTER A: „sonderbar/exzentrisch"
  • Paranoid: Misstrauen, Kränkbarkeit
  • Schizoid: emotionale Distanz, Einzelgängertum
  • Schizotypisch (in ICD-10 bei F21, Schizophrenie-Spektrum)
CLUSTER B: „dramatisch/emotional"
  • Emotional instabil (Borderline- & impulsiver Typ)
  • Histrionisch: theatralisch, Aufmerksamkeit suchend
  • Dissozial/antisozial: Normverletzung, fehlende Reue
  • Narzisstisch (in DSM-5 eigenständig)
CLUSTER C: „ängstlich/vermeidend"
  • Ängstlich-vermeidend: Minderwertigkeitsgefühl, Ablehnungsangst
  • Abhängig (dependent): Unselbstständigkeit, Verlustangst
  • Anankastisch (zwanghaft): Perfektionismus, Kontrolle, Rigidität

Epidemiologie

  • Prävalenz Persönlichkeitsstörungen gesamt ca. 6 bis 10 % der Allgemeinbevölkerung; in klinischen Stichproben deutlich höher.
  • Borderline: ca. 1 bis 2 %, Frauen im klinischen Setting häufiger; hohe Komorbidität mit Depression, PTBS, Sucht.

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